Jakobswege in Süddeutschland

Von Wildstein bis Altendorf

Unser zweiter Tag beginnt mit einem grandiosen Sonnenaufgang und leichtem Frühnebel, der die hügelige Landschaft in eine märchenhafte Stimmung taucht. Wir waren bereits um halb sechs Uhr von den einheimischen Jugendlichen und ihrem "englischen Gruß" am Ostersonnabend geweckt worden, der von einem lauten Schnarren ihrer "Ratschen", selbstgebastelten Musikinstrumenten, begleitet wurde. Diese Tradition wird in den ländlichen Gebieten der Oberpfalz nach wie vor gepflegt.

Wir starten energiegeladen in den Tag, was später auch noch notwendig sein wird.....denn am Ende des Tages werden wir 27 km zurückgelegt haben, und das völlig untrainiert! Leider streikt die Blende unserer Kamera, sodass wir einige Bilder beim nächsten Bayernbesuch nachträgich noch aufnehmen müssen. Sorry!

Nach einer Stunde über nette Feldwege erreichen wir das erste Highlight unserer Tagesetappe, es ist die wunderschöne Wallfahrtskirche St. Jakob in Fuchsberg, für uns eine der schönsten Jakobskirchen.

Wir betreten den kleinen Kirchenraum durch einen dünnen Vorhang, der leicht in der Frühlingsluft weht. Die Kühle des Raumes ist angenehm und der wehende Vorhang verbreitet eine sphärische Stimmug. Der Kirchenraum hat etwas mystisches und sehr erdverbundenes zugleich. Die Einfachheit der Gestaltung im typisch bayrischen Stil einer kleinen Dorfkirche korrespondiert mit der Funktion als Ort für Weitgereiste, dieser Weg kommt aus Prag, die etwas besonderes wagen, um zu sich und zu Jesus zu finden. Wir finden zur Ruhe und geniessen diesen aussergewöhnlichen Moment der Stille. Wir fühlen uns ganz bei Gott und sind im Einklang mit uns.

An der Wand finden wir ein großes Gemälde der Schlacht von Clavigo, in dem der heilige Jakob Spanien gegen die Mauren verteidigt haben soll. Die dargestellte Gewalt des Krieges stößt uns ab, aber es ist eben Teil der Geschichte des Jakobsweges und man wird diesem Thema immer wieder auf dem Jakobsweg begegnen.

Geistig und körperlich gestärkt geht es weiter in Richtung Teunz, einem sehr hübschen, alten Dorf mit Bachlauf, vielen kleinen Brücken und geschmackvoll saniertem Dorfkern.

Nach einiger Verwirrung wegen fehlender Markierung erreichen wir mittags Rottendorf und machen dort eine Pause. Unsere nicht wirklich eingelaufenen, neuen Wanderschuhe haben zu ca. zehn Blasen geführt und es ist unerträglich geworden mit Schuhen zu laufen. Wir wechseln in die (Not-)Sandalen und müssen die Stiefel dafür jetzt schleppen. Außerdem machen sich in dieser hügeligen Landschaft die vergessenen Wanderstöcke bemerkbar: Hüfte bzw. Knie sind bereits lädiert.

Gerade als wir total fertig sind, entdecken wir vor uns "des Mandl und des Weibl mit die Skistöck" und wir fangen an zu Rufen und zu Winken. Die Beiden sind aus Nürnberg und bestens ausgerüstet (im Gegensatz zu uns). Sie sind richtige Oberpfalzfans und trainieren für Nordspanien. Lustigerweise haben sie aber nur den Tagesbedarf an Ausrüstung dabei und übernachten abends immer in derselben Pension (???): sie fahren dazu morgens mit zwei Autos zum Endpunkt, mit einem danach zum Anfangspunkt, laufen ihre Tagesetappe, fahren abends wieder zum Anfangspunkt, holen dann das zweite Auto und fahren wieder mit beiden Autos zurück zur Pension. Dazu sagt Wolfgang nur: typisch Franken!*gg* Trotzdem ist es schön, sich auszutauschen, wir müssen von jetzt an nur darauf achten, dass kein Wettbewerb entsteht.

Gegen Nachmittag erreichen wir Guteneck und überlegen zunächst, ob sich der steile Aufstieg entlang einer Treppe zur Burg lohnt, denn die Burg liegt nicht am Weg. Dummerweise entscheiden wir uns für den Aufstieg, da wir hoffen, oben am Berg auf ein Eiscafe zu stoßen, was aber nicht der Fall ist. Auch die Burg ist noch im Umbau und die Ferienwohnungen, die gerade ausgebaut werden, sind noch nicht fertig. Wir sind frustriert und schleppen uns zum nächsten Dorf. Gegen Abend erreichen wir Willhof mit seiner Jakobskirche und erholen uns erst mal. Der Messner der Kirche ist so besorgt um unseren Zustand, dass er uns anbietet, uns nach Altendorf zur nächsten Pension zu fahren (wir müssen schlimm aussehen). Die letzten zwei Kilometer wollen wir aber nun doch noch alleine schaffen und mit einem lauten "Au" bei jedem Schritt und einem fröhlichen Lied schleppen wir uns zu unserem Ziel.

Die dort befindliche Marienkirche ist wunderschön und die Pension liegt gleich um die Ecke. Ein Zimmer gibt es auch noch und dann gehen wir erst mal in die Wirtschaft. Als wir nach dem Essen aufstehen wollen, können wir es kaum glauben, aber wir sind von der Hüfte abwärts wie gelämt!!! Unsere Muskeln sind völlig übersäuert, wir haben einfach übertrieben. Unsere Beine versagen uns den Dienst und wie zwei uralte Leute humpeln oder besser kriechen wir in unser Zimmer. Da dort kein Handyempfang ist, müssen wir noch einmal nach draussen, oh weh, die alte Dame vor dem Haus schaut uns staunend zu, wie wir uns in unserem Alter über den Asphalt winden.

In der Nacht, die für uns um neun Uhr beginnt, wache ich auf und versuche Wolfgang zu wecken. Aber kein Schütteln und Rufen hilft, er liegt dort wie tot - schließlich wacht er doch auf und wir müssen beide lachen.

Von jetzt an gibt es bei uns eine weitere Faustregel: An den ersten drei Tagen nicht mehr als 15 km täglich laufen, dann ist der Körper von Büroarbeit auf Pilgern umgestellt.

Die Etappe in Kürze
Anspruch: +++
Beschilderung: J
Gehzeit: 8 Std.
Länge: 27 km

Einkehr und Übernachtung:

Burkhardsberg
Gastwirtschaft Josef Albang, 92552 Teunz, Tel. 09671-1663, Brotzeiten, bitte vorher anmelden


Fuchsberg
 Jakobskirche in Fuchsberg www.st-jakob-fuchsberg.de

 Gaststätte und Pension Brand, Fuchsberg 11, 92552 Fuchsberg, Tel. 09671-689, Ü/ F ab 13 Euro

Gaststätte Götz, Fuchsberg 14, 92552 Teunz, Telefon: 09671/1213



Teunz
Gasthof Schießl mit Metzgerei, Hauptstr. 12, 92552 Teunz, Tel. 09671-637, Mo Ruhetag, Ü/F ab20 Euro

Gaststätte Roidl, Tel. 09671-3731, nur Brotzeiten, Do Ruhetag


Rottendorf
Gasthaus Zeitler, 92454 Niedermurach, Tel. 09671-91143, Ü/F ab 10 Euro, nur Brotzeiten, kein Ruhetag Web-Visitenkarte


Guteneck www.guteneck.de
Gasthaus Vetterl, “, Hofmarkstr. 3, 92543 Guteneck, Tel: 09675-326, E-Mail: info@zumsuedtiroler.de,
Mo Ruhetag, Di ab 17:00 geöffnet, Mi - Fr 11:00 bis 14:00 und ab 17:00, Sa ab 11:00 durchgehend, So ab 9:00 durchgehend,
bei Voranmeldung auch außerhalb unserer Öffnungszeiten, täglich gutbürgerlicher Mittagstisch, reichhaltige Speisekarte, regionale, bayrische und schwäbische Schmankerln,
saisonale Gerichte, zünftige Brotzeiten, etc., auf Wunsch Frühstück, Biergarten, kleiner Laden im Haus www.zumsuedtiroler.de.

Ferienappartments im Schloss Guteneck: 4 Appartements mit insgesamt 21 Betten, 8 Doppelzimmer, 5 Einzelzimmer, Ü 30,00 € pro Person,
ab 5 Gästen kann Frühstück gestellt werden, pro P € 8,00, Tel. 09675 / 91 46 62, Fax 09675 / 914 0339 www.schloss-guteneck.de  


Altendorf (www.gemeinde-altendorf.de  )
Tip: Gasthof/ Pension Schiesl, Neunburger Str. 9, 92540 Altendorf, Tel. 09675/215 (1 km abseits des Weges), kein Ruhetag, 28 Betten, Ü/F 19-23 € p. P., Sehr nette Gastleute, die uns zum Weitermarsch eine große Brotzeit mitgaben, die preiswerteren Zimmer sind im 70er Jahre Stil eingerichtet, die Gastwirtschaft im Haus ist gemütlich und bietet eine gute Oberpfälzer Küche.